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Der grösste Hebel für echte CO2-Reduktion liegt in der Lieferkette.

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Die ASSA ABLOY (Schweiz) AG hat sich ambitionierte Klimaziele gesetzt und arbeitet konsequent daran, CO₂-Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu reduzieren. Besonders im Fokus steht dabei Scope 3 – also die Emissionen, die ausserhalb der eigenen Werke entstehen und häufig den grössten Hebel für echte Veränderungen bieten. Im Interview berichtet Ewa Halley, Head of Strategic Procurement, wo die grössten CO₂-Treiber liegen, welche Fortschritte bereits erreicht wurden – und wie der strategische Einkauf gemeinsam mit Partnern und Lieferanten an neuen, nachhaltigeren Materiallösungen für die Zukunft arbeitet.

Welchen Stellenwert hat das Thema Nachhaltigkeit aktuell bei ASSA ABLOY Schweiz?

Nachhaltigkeit und insbesondere die Reduktion von CO2-Emissionen haben für uns einen sehr hohen Stellenwert. Zum einen, weil wir als Unternehmen Verantwortung übernehmen wollen, zum anderen aber auch, weil wir seitens des Konzerns klare Zielvorgaben haben. Konkret bedeutet das: Wir wollen unseren CO2-Ausstoss bis 2030 im Vergleich zu 2019 halbieren und bis 2050 als Unternehmen CO2-neutral sein. Um diese Ziele zu erreichen, haben wir in den letzten Jahren eine Vielzahl an Massnahmen angestossen – viele davon betreffen den Bereich Scope 3.

Bevor wir ins Detail gehen: Welche Nachhaltigkeitsaspekte deckt Scope 3 ab und warum ist er so relevant?

Scope 3 umfasst alle indirekten CO2-Emissionen entlang der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette – also beispielsweise Emissionen aus der Rohstoffgewinnung, der Herstellung von Vorprodukten, dem Transport oder auch der Entsorgung. Gerade in der Industrie liegt hier oft der grösste Hebel für eine nachhaltige Transformation. Auch bei uns entsteht der überwiegende Teil unserer Emissionen nicht in den eigenen Werken, sondern bei Materialien, Lieferanten und Prozessen ausserhalb unseres direkten Einflussbereichs.

Wo liegen aktuell die grössten CO2-Hebel in diesem Bereich?

Unsere Analysen zeigen sehr deutlich, dass der Materialeinsatz – insbesondere Metalle wie Messing – den grössten Anteil am CO2-Ausstoss unserer Produkte verursacht. Transportwege spielen vor diesem Hintergrund aktuell eine vergleichsweise untergeordnete Rolle. Das bedeutet für uns: Wenn wir unsere Klimabilanz substanziell verbessern wollen, müssen wir bei den Materialien ansetzen.

Gibt es da bereits messbare Erfolge?

Ein gutes Beispiel ist die Anpassung der Materialzusammensetzung unserer Schlüssel. Wir konnten den Anteil von Neusilber – einer Legierung aus Kupfer, Nickel und Zink – von 12 % auf 7 % reduzieren. Dadurch haben wir rund 30 Tonnen CO2 eingespart. Entscheidend ist dabei natürlich, dass die Funktionalität unserer Produkte vollständig erhalten bleibt. Umfangreiche Tests haben gezeigt, dass sich die Änderung ausschliesslich optisch bemerkbar macht – der Farbton der Schlüssel geht etwas mehr in Richtung goldfarben. Über diesen Wechsel haben wir unsere Kundinnen und Kunden frühzeitig und transparent informiert.

Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Verpackung. Welche Herausforderungen gibt es hier?

Wir hatten in einigen Bereichen noch Verpackungen aus Polystyrol im Einsatz. Unser Ziel war es, auf nachhaltigere Alternativen mit Rezyklatanteil umzustellen. Allerdings zeigte sich schnell, dass nicht jede ökologische Lösung automatisch auch funktional geeignet ist. Bei Paketversand müssen Verpackungen sturzsicher sein – andernfalls entstehen Schäden, was wiederum nicht nachhaltig wäre.

Wie sind Sie diese Herausforderung angegangen?

Wir haben intensiv gesucht, verschiedene Lieferanten eingeladen und uns unterschiedliche Lösungen angeschaut. Letztlich haben wir uns für Faserguss entschieden, der aus Papierabfällen hergestellt wird. Uns war dabei wichtig, nicht nur auf Herstellerangaben zu vertrauen. Deshalb haben wir die Produktionsstätte vor Ort besucht und geprüft, wie dort mit Energie und Ressourcen umgegangen wird. Der Hersteller nutzt überwiegend Regenwasser, verwertet Abwärme als Heizenergie und produziert nahezu CO2-neutral. Erste Produkte wurden bereits umgestellt, weitere befinden sich im Roll-out.

Welche Rolle spielt der Einsatz von recycelten Materialien generell?

Eine sehr grosse. Wir stehen im ständigen Austausch mit unseren Lieferanten, um den Anteil von Rezyklaten in unseren Produkten konsequent zu erhöhen. Beim Aluminium liegen wir aktuell im Durchschnitt bei 30 % Recyclinganteil. Bei Zink konnten wir bis zu 20 % erreichen, bei Messing – wie gesagt unserem mengenmässig wichtigsten Material – rund 60 % bei den Hauptlieferanten. Das ist ein Prozess, der nicht immer einfach ist. Aber wir fordern unsere Partner hier bewusst heraus und begleiten sie auf diesem Weg.

Wie reagieren Lieferanten auf diese Anforderungen?

Entscheidend ist, das Bewusstsein dafür zu vermitteln, dass Nachhaltigkeit keine Einbahnstrasse darstellt, sondern ein Ziel ist, das es gemeinsam zu erreichen gilt: Auch unsere Lieferanten müssen ihre Ökobilanzen offenlegen. Viele sind hier bereits sehr weit, betreiben Photovoltaikanlagen oder erfassen ihre Emissionen in Scope 1 und Scope 2. Das wiederum wirkt sich unmittelbar positiv auf unsere eigene CO2-Bilanz aus – vor allem, weil wir dadurch zunehmend mit realen statt rein theoretischen Daten arbeiten und präziser planen können.

Ihr arbeitet aktuell auch mit externen Partnern zusammen. Worum geht es dabei konkret?

Im August 2025 haben wir ein Kooperationsprojekt mit einer Expertengruppe von ETH-Absolventinnen und -Absolventen gestartet. Gemeinsam analysieren wir unsere Schliesszylinder im Detail und identifizieren die grössten CO2-Treiber – von der Materialbasis über Produktion bis hin zum Transport. Ziel ist es, alternative Materialien oder Materialkombinationen zu finden, die einen deutlich geringeren CO2-Ausstoss verursachen, ohne Kompromisse bei Qualität und Sicherheit einzugehen.

Welche Grenzen setzen Sicherheit und Qualität?

Unsere Produkte sind sicherheitsrelevant und müssen extremen Anforderungen standhalten – etwa Temperaturen von bis zu 800 °C und eine Resistenz gegen Zugversuch bis zu 1t. Viele derzeit diskutierte alternative Materialien wie biogene Kunststoffe sind dafür schlicht nicht geeignet. Neue Materialkombinationen wie beispielsweise den verstärkten Einsatz von Zink unterziehen wir daher stets sorgfältigen Tests und Validierungen, um sicherzustellen, dass diese bei weniger CO2-Ausstoss zugleich unser Qualitätsversprechen einhalten.

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